ADFC-Veranstaltung Moderne Radverkehrsinfrastruktur

 

Rund 130 Fachleute und Verkehrsplaner trafen sich am 23. April zur Fachtagung „Moderne Radverkehrsinfrastruktur für alle Mobilitätsbedürfnisse“ des ADFC-Bundesverbands.

 

Fachtagung Infrastruktur
Ludger Koopmann vom ADFC-Bundesvorstand, Prof. Heiner Monheim (raumkom), Jörg Ortlepp von Unfallforschung der Versicherer, Thiemograf vom Institut für innovative Städte und Bonnie Fentpn von Rupprecht Consult Forschung und Beratung GmbH (v.l.n.r.). © Dirk Michael Deckbar

Der Ruf nach einer Radinfrastruktur, die es auch Kindern und älteren Menschen erlaubt, ohne Angst am Straßenverkehr teilzunehmen, war unüberhörbar. Im Anschluss fand der Parlamentarische Frühjahrsempfang des ADFC statt.

Eine Verkehrsplanung, die dem Autoverkehr nahezu die gesamte Fläche einräumt und den Radverkehr auf Restflächen und zwischen Autos verweist, reicht nicht aus – das war die Prämisse, unter der der ADFC mit seinen Gästen diskutieren wollte. Aktuell bedient die Radinfrastruktur robuste, routinierte und vor allem männliche Vielfahrer.

Mit der Tagung will der ADFC aber erreichen, dass bundesweit eine moderne und qualitativ hochwertige Infrastruktur für Menschen zwischen 8 und 80 Jahren geschaffen wird. Das arbeitete Ludger Koopmann aus dem ADFC-Bundesvorstand heraus und betonte sehr deutlich, dass alle Menschen sicher und komfortabel Rad fahren können, auch Kinder und Senioren. Die Infrastruktur soll diejenigen motivieren, die aus Angst oder Besorgnis bislang noch nicht aufs Rad steigen.

Blick in andere Länder


Deshalb richtete sich der Blick der Teilnehmenden zunächst in die USA, wo erfolgreich in kurzer Zeit Angebote für den Radverkehr geschaffen und verschiedene Formen der Verkehrsführung ausprobiert wurden. Auch der konsequente Stadtumbau in Vancouver war Thema, ebenso die Netzgestaltung und das Kreuzungsdesign in den Niederlanden.

Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass 50 bis 60 Prozent der Menschen gerne Fahrrad fahren möchten, es aber nicht tun, weil die angebotene Infrastruktur ihnen zu unsicher erscheint. Deshalb müssen planerische Standardwerke wie die „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (ERA) überarbeitet, unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse berücksichtigt und über die Dimensionierung der Radverkehrsanlagen nachgedacht werden. Es muss nicht für den jetzigen Radverkehr, sondern für den zukünftigen Radverkehr geplant werden.

Mehr Psychologie und System


Auch die Psychologie muss in der Verkehrsplanung eine viel größere Rolle spielen: Berater Thiemo Graf vermittelte eindrücklich, dass Menschen zwar aus dem Stegreif eine Autobahn zeichnen können, aber keinen Radweg – ihnen fehlen dazu die Bilder im Kopf, was daran liege, so Graf, dass Radverkehrsinfrastruktur überall anders aussehe, weil sie in das bestehende Verkehrssystem gequetscht werde. Erst mit positiven Bildern erzeuge man Handlungen und, so Graf, das Geheimnis erfolgreicher Fahrradstädte seien die Systemplanung und die entsprechenden politischen Entscheidungen.

Auch Stadtplaner Prof. Heiner Monheim stellte leidenschaftlich dar, dass Radverkehr im System gedacht werden muss. Er nahm die Teilnehmenden mit auf eine Zeitreise durch die Radverkehrsplanung und forderte, dass der Radverkehr konsequenter, radikaler und unbescheidener geplant werden muss: dreistellige Millionen-Beträge für die Radinfrastruktur, 40 Prozent Modal-Split-Anteil des Fahrrads und sieben Milliarden für Radschnellwege.

 

 

Revolution in der Bundespolitik?


Welche Vorstellungen Politiker vom Radverkehr haben und was die Bundesregierung in der verbleibenden Legislaturperiode vor hat, stellte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Enak Ferlemann, vor. In den wachsenden Ballungszentren werden alternative Verkehrskonzepte und das Fahrrad gebraucht, denn mehr motorisierter Individualverkehr geht hier nicht. Deshalb wolle man die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen, die StVO novellieren und den Nationalen Radverkehrsplan bis 2030 fortschreiben und dafür einen Aktionsplan entwickeln, damit das Strategieapier der Bundesregierung mit Leben gefüllt werde. „Und stellen Sie sich das mal vor, wenn wir Parkplätze wegnehmen und darauf Radwege bauen – das wäre eine Revolution“, sagt Ferlemann. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die GroKo in Sachen Radverkehr vieles richtig machen werde.

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, gab einige Impulse, um den Trend zum Radverkehr durch Wettbewerbe, Innovationen und Investitionszuschüsse zu stärken. Das gelte auch für die nachhaltige urbane Logistik mittels Lastenrädern – hier brauche es kluge Konzepte.

Zu Gast beim Parlamentarischen Frühjahrsempfang des ADFC war auch Michelle Müntefering (SPD), Staatsministerin im Auswärtigen Amt, die das Dienstrad nutzt und die Ausstellung „Fahr Rad! Die Rückeroberung der Stadt“ im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt empfahl. Sie zeigt, wie eine Stadtentwicklung, u. a. in Kopenhagen, New York oder Oslo aussehen kann, die mehr Menschen aufs Fahrrad lockt.

Schon von Beginn an war sich der ADFC-Bundesvorsitzende Ulrich Syberg sicher, dass von der Fachtagung Impulse ausgehen werden. Zum Abschluss betonte er, dass Deutschlands Städte mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität sowie mehr Gerechtigkeit im Straßenraum brauchen und forderte ein Mobilitätsgesetz für Deutschland.

https://kv-kleve.adfc.de/neuigkeit/adfc-veranstaltung-moderne-radverkehrsinfrastruktur

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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